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Mittwoch, 12. Juli 2017

Junger Vulkanismus und hydrothermale Minerale auf dem Mars


Quelle: NASA/JPL-Caltech/University of Arizona



  • DLR-Planetenforscher entdeckt in Kooperation mit internationalen Wissenschaftlern Vulkanismus im Inneren der Valles Marineris auf dem Mars.
  • Die Studie geht davon aus, dass die Vulkankegel nur etwa 200 bis 400 Millionen Jahre jung sind.
  • Schwerpunkt(e): Raumfahrt, Planetenforschung, Mars
Eine der auffallendsten Landschaftsformen auf dem Mars ist der riesige Schildvulkan Olympus Mons, der sich bis zu 26 Kilometer über die ihn umgebenden Ebenen erhebt. Er ist Bestandteil der Tharsis-Aufwölbung, einer Vulkanprovinz, die so groß wie ganz Europa ist. Vulkanismus ist ein weit verbreitetes Phänomen auf dem Mars. Am Ostrand von Tharsis nimmt eine zweite geologische Struktur mit gewaltigen Dimensionen ihren Ausgang: Das Talsystem der Valles Marineris, das sich fast 4000 Kilometer entlang des Äquators erstreckt und dessen tektonischen Grabenbrüche bis zu zehn Kilometer tief sind. Seit Jahrzehnten rätseln die Wissenschaftler, ob Vulkanismus auch im Inneren der Valles Marineris tätig war. Nun haben vier Wissenschaftler, darunter Ernst Hauber vom DLR-Institut für Planetenforschung, ein Gebiet mit 130 kleinen Vulkanen auf dem Grund der Valles Marineris entdeckt.
In ihrer Studie, die in der Publikation "Earth and Planetary Science Letters" erschien, zeigen die Marsforscher um Petr Brož von der Tschechischen Akademie der Wissenschaften, dass sich in der Schlucht Coprates Chasma, einer der tiefsten Stellen der Valles Marineris, eine große Anzahl Vulkankegel und erstarrter Lavaströme existiert. Ihr Befund basiert auf der Auswertung von hoch aufgelösten Bildern der NASA-Raumsonde Mars Reconnaissance Orbiter (MRO), auf denen die Tuff- und Aschekegel zu sehen sind. Diese Art von Vulkane sind auch auf den Kontinenten der Erde die häufigsten Förderzentren von Lava. Allerdings waren sich die Autoren der Studie bei ihrer Interpretation der Natur der Vulkane zunächst nicht ganz sicher. Petr Brož, der Erstautor der Studie, sagt dazu: "Die bis zu 400 Meter hohen Kegel wurden auch schon als Schlammvulkane interpretiert. Wir beobachten aber morphologische Details wie das Aufwölben erstarrter Lava durch die Injektion jüngerer Lava unter der erkalteten Kruste oder charakteristische Oberflächenmuster, die denen von Lavafeldern auf der Erde gleichen. Das bestärkt uns in der Annahme, dass es sich hier in der Tat um magmatischen Gesteinsvulkanismus handelt, und nicht um flüssigen Schlamm."
"Auch die räumliche Verteilung der Kegel deutet darauf hin, dass sie vulkanischen Ursprungs sind", ergänzt DLR-Planetengeologe Ernst Hauber. "Sie scheinen gehäuft entlang tektonischer Bruchstrukturen aufzutreten, die an der Oberfläche den Grabenbruch haben entstehen lassen, und deren Bruchflächen sich im Untergrund fortsetzen und dort für das Magma Aufstiegswege schaffen." Vor allem aber die Ähnlichkeit der Form dieser Kegelberge in Coprates Chasma mit Vulkankegeln an anderer Stelle auf dem Mars, wo kein Schlammvulkanismus möglich ist, aber auch auf der Erde ist für die Autoren ein starkes Argument dafür, dass es sich um echte Vulkane handelt.
Vulkankegel im jugendlichen Alter
Neben der Entdeckung der Vulkane im Talgrund des östlichen Teils der Valles Marineris ist deren junges Alter die zweite Überraschung dieser Untersuchung. "Geologisch betrachtet sind die Vulkankegel noch sehr jung, gerade einmal 200 bis 400 Millionen Jahre alt", erklärt Gregory Michael von der Freien Universität Berlin, einer der vier Autoren der Studie. Mit der ursprünglichen Entstehung der Valles Marineris haben die Vulkane in Coprates Chasma demnach nichts zu tun, da sie viel jünger sind. Die Wissenschaftler können anhand der Häufigkeit von Einschlagskratern in den umliegenden Ebenen das maximale Alter von geologischen Einheiten bestimmen. Die Methode beruht auf der Tatsache, dass sich umso mehr Krater auf einer Fläche anhäufen, je länger sie dem Bombardement von Asteroiden und Meteoriten ausgesetzt ist. Sieht man fast keine Krater, so spricht dies für ein geologisch sehr junges Alter.
Die Hauptphase vulkanischer Aktivität auf dem Mars spielte sich aber bereits in der Frühphase des Planeten vor etwa 3,5 Milliarden Jahren ab. Zwar gab es auf Aufnahmen der DLR-Stereokamera HRSC auf Mars Express immer wieder auch Hinweise auf Vulkanismus auf dem Mars, der jünger als eine halbe Milliarde Jahre alt ist, doch ist dieser Vulkanismus eher die Ausnahme und ereignete sich in der Regel in einer der bekannten vulkanischen Provinzen. Die Entdeckung von jungem Vulkanismus aus dem Marszeitalter der Amazoniums im Südosten der Valles Marineris, in Coprates Chasma, also mehrere Tausend Kilometer von der Mitte der Vulkanprovinz Tharsis entfernt, zeigt nun, dass Vulkane auch weit entfernt von den großen vulkanischen Zentren Tharsis oder Elysium spät in der Marsgeschichte entstehen konnten.
Eine potentielle Fundstätte für fossiles Leben
Um mehr über die Zusammensetzung der Laven und der Vulkankegel herauszubekommen untersuchten die vier Wissenschaftler das Gebiet Coprates Chasma zusätzlich mit dem abbildenden Spektrometer CRISM (Compact Reconnaissance Imaging Spectrometer for Mars) auf der Marssonde MRO. Dabei stießen sie auf Minerale mit hohem Siliziumanteil, an einem der Kegel sogar auf opalartige Substanzen - Opale sind amorphe, wasserhaltige Silikatminerale, die keine Kristallstruktur ausgebildet haben. Eine solche mineralogische Zusammensetzung kann durch sogenannte hydrothermale Prozesse entstehen, wenn also Minerale aus übersättigten heißen Lösungen ausfallen und mineralisieren. Das macht Coprates Chasma auch für astrobiologische Untersuchungen interessant, denn auf der Erde finden in einer solchen warmen, Energie spendenden und mineralreichen Umgebung Mikroorganismen eine ideale Umgebung vor.
Diese Beobachtung lässt das Vulkanfeld von Coprates Chamsa auch für eine zukünftige Untersuchung hinsichtlich der Frage interessant erscheinen, ob auf dem Mars in solchen warmen, wässrigen Umgebungen Leben entstanden sein könnte. Von der Erde weiß man, dass in opalinen Mineralgemeinschaften potentielle Spuren früheren Lebens gut erhalten werden. Deshalb könnten diese Opale auch auf dem Mars eine potentielle Fundstätte für sogenannte Biosignaturen darstellen. "Coprates Chasma wäre nicht nur wegen der Frage nach einst vorhandenem Leben auf dem Mars interessant. Die Gegend wäre in vielerlei Hinsicht eine ausgezeichnete Landestelle für zukünftige Marsrover", sagt Ernst Hauber. "Hier könnten wir viele wissenschaftlich wichtige und interessante Dinge untersuchen. Durch die Analyse von Proben könnten wir über die Isotopenverhältnisse der Elemente die Zeit, in der die Vulkane tatsächlich aktiv waren, viel genauer bestimmen. An den hohen, steilen Abhängen ist die geologische Entwicklung der Valles Marineris wie in einem Geschichtsbuch aufgeschlagen: Wir sehen dort Schichten aus Gips und Lagen aus altem Krustengestein, und Hinweise darauf, dass hier flüssiges Wasser eventuell noch heute im Untergrund in der warmen Jahreszeit die Hänge hinabsickert. Viel mehr an Marsgeologie geht nicht!"

Kontakte

 

Manuela Braun 
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
 
Kommunikation, Redaktion Raumfahrt
 
Tel.: +49 2203 601-3882
 
Fax: +49 2203 601-3249
Ulrich Köhler 
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
 
DLR-Institut für Planetenforschung
 
Tel.: +49 30 67055-215
 
Fax: +49 30 67055-402
Ernst Hauber 
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
 
Institut für Planetenforschung
 
Tel.: +49 30 67055-325
 
Fax: +49 30 67055-402

Europäische Supercomputing-Zentren bündeln Kräfte bei der Hardware-Beschaffung

Eine Reihe europäischer Höchstleistungsrechenzentren geht neue Wege bei der Hardware-Beschaffung. Rechenzentren aus vier europäischen Ländern haben sich zusammengeschlossen, um – erstmals auf europäischer Ebene – in einem gemeinsamen Verfahren neue innovative Superrechner-Systeme zu erwerben. Durch das vom Forschungszentrum Jülich koordinierte Public Procurement of Innovative Solutions for High-Performance Computing (PPI4HPC) sollen künftig mehr Supercomputing-Ressourcen auf europäischer Ebene zu Verfügung stehen. Darüber hinaus beabsichtigen die beteiligten Zentren (BSC, CINECA, JSC, GENCI) mittels PPI4HPC ihren Einfluss zu vergrößern, um Hardware-Lösungen in höherem Maße als bisher auf die Anforderungen von Wissenschaftlern und Ingenieuren in Europa anpassen zu können.

Die Rechenzentren werden in dem Prozess neue Höchstleistungsrechner und neue Systeme zur Analyse großer Datenmengen beschaffen. Die Anlagen sollen zwischen 2019 und 2021 an den jeweiligen Standorten installiert werden und decken zusammen ein breites Anwendungsspektrum aus den Bereichen des High-Performance Computing (HPC), des High-Performance Data Analytics (HPDA) bis hin zur Artificial Intelligence (AI) ab. Insgesamt sind Investitionen in Höhe von 73 Millionen Euro vorgesehen. Die EU fördert den Prozess der sogenannten Innovativen Öffentlichen Beschaffung (PPI) mit einer Förderquote von 35 Prozent.
Das Forschungszentrum Jülich plant, in dem Verfahren einen neuen Superrechner erwerben, der Ende 2020 am Jülich Supercomputing Centre (JSC) als Ersatz für den Jülicher Superrechner JURECA installiert werden soll. "Wir begrüßen es, dass mit diesem Pilotprojekt die Europäische Kommission dazu beiträgt, eine innovative HPC-Infrastruktur für Europa zu schaffen“, betont Prof. Thomas Lippert, Leiter des Jülich Supercomputing Centre (JSC).
Wissenschaftler können schon heute über den Verbund PRACE auf europäischer Ebene Rechenzeit auf Supercomputern beantragen. Die entsprechenden Rechner wurden bislang allerdings ausschließlich von den Mitgliedsstaaten finanziert. Mit PPI4HPC geht die EU nun dazu über, die Beschaffung der zugehörigen Rechner zu fördern. Das Verfahren ist damit gleichzeitig Pilotprojekt für die Beschaffung von europäischen Superrechnern der zukünftigen Exascale-Klasse, deren Leistungsfähigkeit die der heutigen schnellsten Rechner um eine Größenordnung übersteigt.

Weitere Informationen

Open Dialog Event am 6. September 2017 in Brüssel
Interessierte Anbieter und Hersteller können sich auf dem Open Dialogue Event (ODE) über die Pläne der beteiligten Rechenzentren informieren.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Dr. Thomas Lippert
Direktor am Institute for Advanced Simulation, Leiter des Jülich Supercomputing Centre (JSC), Forschungszentrum Jülich
Tel. +49 2461 61-6402
E-Mail: th.lippert@fz-juelich.de
Prof. Dr. Dirk Pleiter
Jülich Supercomputing Centre (JSC), Forschungszentrum Jülich
Tel. +49 2461 61-9327
E-Mail: d.pleiter@fz-juelich.de

Pressekontakt:

Tobias Schlößer
Pressereferent, Forschungszentrum Jülich
Tel. +49 2461 61-4771
E-Mail: t.schloesser@fz-juelich.de

Mobilität von Studierenden und Wissenschaftlern steigt weltweit: Erstmals über 355.000 ausländische Studierende an deutschen Hochschulen


2017 sind an deutschen Hochschulen zum ersten Mal mehr als 355.000 ausländische Studierende eingeschrieben. Damit wird die von Hochschulen und Politik für 2020 gesteckte Zielmarke von 350.000 schon jetzt übertroffen. Insgesamt hat sich die Zahl der ausländischen Studierenden in Deutschland damit in den letzten zehn Jahren um 37 Prozent erhöht.
Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes hat sich die Zahl der ausländischen Studierenden in Deutschland von 340.000 im Jahr 2016 auf derzeit 357.800 erhöht. Deutschland zählt weltweit nach den USA, Großbritannien, Australien und Frankreich zu den beliebtesten Zielländern für internationale Studierende. Die größte Gruppe der ausländischen Studierenden stammt aus China (13 Prozent), gefolgt von Studierenden aus Indien (6 Prozent) und Russland (5 Prozent).
Insgesamt steigt die Zahl der international mobilen Studierenden weltweit und damit der Wettbewerb um die besten Talente. 2014 waren rund 4,3 Millionen Studierende außerhalb ihres Heimatlandes eingeschrieben. Das sind rund 300.000 Studierende mehr als noch im Vorjahr. Deutschland zeichnet sich im Unterschied zu vielen anderen Ländern durch eine ausgeglichene Mobilitätsbilanz aus. Sowohl als Gast- wie auch als Herkunftsland ist es für den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern von großer Bedeutung.
„Das deutsche Wissenschafts- und Hochschulsystem ist global aufgestellt, global vernetzt und im besten Sinne weltoffen. Die Attraktivität des Studien- und Forschungsstandortes Deutschland zieht nicht nur zahlreiche ausländische Studierende und Forschende an, für viele deutsche Studierende und Forschende ist es mittlerweile  selbstverständlich geworden, im Ausland zu studieren und zu forschen. Das ist ein großartiger Erfolg unsere Internationalisierungsbestrebungen und spricht für die Qualität und Attraktivität unseres Wissenschaftssystems und unserer Mobilitätsangebote“ betont Bundesbildungsministerin Johanna Wanka.
2015 waren fast 140.000 deutsche Studierende an Hochschulen im Ausland eingeschrieben, um dort einen Abschluss zu erwerben. Zu den beliebtesten Gastländern zählen Österreich, die Niederlande, Großbritannien und die Schweiz. Beliebte Zielländer für temporäre studienbezogene Auslandsaufenthalte sind nach wie vor Großbritannien, die USA, Frankreich und Spanien. Derzeit verbringen mehr als ein Drittel aller Studierenden einen Teil ihres Studiums im Ausland. Die Bundesregierung und der DAAD verfolgen das Ziel, den Anteil bis 2020 auf 50 Prozent zu erhöhen.
„Unsere Welt rückt immer mehr zusammen. Deshalb brauchen wir qualifizierte Nachwuchskräfte, die in internationalen Dimensionen denken können und weltweit vernetzt sind. Die Vorteile eines Auslandsstudiums liegen klar auf der Hand: Gute Jobperspektiven, verbesserte Fremdsprachenkenntnisse, Fachwissen in internationalen Zusammenhängen, interkulturelle Kompetenz, Gewinn an Selbständigkeit, Freundschaften auf der ganzen Welt, neue Sichtweisen auf das Gast- und Heimatland und nicht zuletzt auf sich selbst“, erläutert Margret Wintermantel, Präsidentin des DAAD.
2015 waren circa 43.000 ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an deutschen Hochschulen angestellt, unter ihnen rund 3.100 Professorinnen und Professoren. Die Zahl der ausländischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hat sich damit in den letzten 10 Jahren um 74 Prozent erhöht.
„Die größte Gruppe stellen mit über einem Drittel Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Westeuropa, gefolgt von der Region Asien/Pazifik mit 17 Prozent und Mittel/Osteuropa mit 15 Prozent. Die wichtigsten Herkunftsländer sind Italien, China, Österreich und die USA“, erläutert Monika Jungbauer-Gans, wissenschaftliche Geschäftsführerin des DZHW. An außeruniversitären Forschungseinrichtungen waren in 2014 knapp 9.000 ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler angestellt. Fast zwei Drittel dieser Gruppe stammen aus Europa. Etwa 24 Prozent kommen aus Asien.
Das diesjährige Schwerpunktkapitel der Publikation Wissenschaft weltoffen beschäftigt sich mit dem Ostseeraum als Wissenschaftsregion. Die Anrainerstaaten der Ostsee haben sich zu einer dynamischen Wirtschaftsregion entwickelt, deren regionale Integration eng an die Entwicklung von Forschung und Wissenschaft gekoppelt ist. Deutschland kommt dabei sowohl für den Austausch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern als auch von Studierenden in dieser Region eine Schlüsselstellung zu. Gleichzeitig fällt auf, dass die Ostseeländer auch eine beliebte Studien- und Forschungsregion für Akademiker aus anderen europäischen Staaten geworden ist.
Mehr Informationen:


Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung GmbH (DZHW)
German Centre for Higher Education Research and Science Studies

Lange Laube 12 | 30159 Hannover | www.dzhw.euGermany

Daniel Matthes
Referent Information und Kommunikation

Officer Information and Communication
                                                    
Tel. +49 511 450670-532 | Fax +49 511 450670-960

E-Mail: matthes@dzhw.eu

Ausstellung: Köln auf dem Weg zur Kunstmetropole. Zwischen Protest und Progressivität in den 60er und 70er Jahren


Dokumentarische Ausstellung mit Rahmenprogramm in der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln / Einladung zur Vernissage am  20. Juli 2017


Die Ausstellung „Köln auf dem Weg zur Kunstmetropole“ in der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln zeigt die Entwicklung Kölns zur bedeutenden Kunststadt, ausgehend von den Ereignissen in den 1960er und 70er Jahren. Ausstellungsstücke wie Fotos, Briefe und Zeitungsartikel ermöglichen einen unmittelbaren Zugang zu den Geschehnissen. Mit dem Kunstmarkt 1967 als weltweit erster Messe für moderne Kunst nahm Köln eine Pionierstellung ein, die bis heute die Stadt prägt – lange vor der heute international bekannten Art Cologne.

„Neben der Kunstmesse selbst stehen die durch sie ausgelösten und häufig in Opposition zu ihr stehenden Veranstaltungen und Ereignisse im Fokus.“, sagt Juniorprofessorin Dr. Nadine Oberste-Hetbleck, die das Projekt ins Leben rief. „Zudem untersuchen wir ausgewählte Akteure einer Ende der 1960er Jahre prosperierenden Kölner Kunsthandels- und Galerienszene. 

Galerieneugründungen, -zuzüge sowie kooperative Zusammenschlüsse wie im Galerienhaus in der Lindenstraße trugen zur Dynamik und Sichtbarkeit der Stadt bei. Was geschah in jenen Jahren, die durch Vitalität, Progressivität und Protest geprägt waren, im Prozess der Demokratisierung der Kunst?“

Die Exponate werden ergänzt durch das Video-Textporträt „Helga Müller – ein Fragment“ der Videokünstlerin Sabine Bürger. Die Galeristin, Kunstsammlerin und Witwe des ebenfalls in der Ausstellung behandelten Galeristen Hans-Jürgen Müller gibt im Rahmen mehrerer Interviews persönliche Einblicke unter anderem in die Kölner Kunstszene der frühen 80er Jahre und in ihr Lebensprojekt Mariposa.

Die Ausstellung läuft vom 20. Juli bis 22. Oktober 2017 im Foyer der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, Universitätsstr. 33, 50931 Köln. Der Eintritt ist frei. Veranstalter ist das Kunsthistorische Institut der Universität zu Köln in Kooperation mit dem Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels e.V. – Forschungsarchiv an der Universität zu Köln. Die Ausstellung wurde von Studierenden im Rahmen des Hauptseminars Kunststadt Köln erarbeitet.

Vernissage
Am Donnerstag, den 20. Juli 2017 um 18:00 Uhr, laden wir Sie zur Eröffnung mit Umtrunk im Foyer der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln ein.

Grußworte:

- Dr. Hubertus Neuhausen, Direktor der Universitäts- und Stadtbibliothek
- Prof. Dr. Stefan Grohé, Dekan der Philosophischen Fakultät

Einführung:
Dr. Nadine Oberste-Hetbleck, Jun.-Prof. für Kunstgeschichte und Kunstmarkt
Im Anschluss haben Sie die Möglichkeit, mit den beteiligten Studierenden die Exponate zu betrachten und zu diskutieren.

Rahmenprogramm


- 5. Oktober 2017, 18:00 Uhr, Raum 4007: Helga Müller, eine Zeitzeugin. Sabine Bürger und Jun.-Prof. Dr. Nadine Oberste-Hetbleck im Gespräch (ca. 90 min.)
- 11. Oktober 2017, 18:00 Uhr, Foyer: Kurzführung durch die Ausstellung (ca. 30 min.)
- 18. Oktober 2017, 18:00 Uhr, Raum 4007: Sofabild oder Wandaktie? Kunst und Ware in den 1960er Jahren. Vortrag von Prof. Dr. Christian Spies (ca. 90 min.)

Die Universitäts- und Stadtbibliothek unterstützt mit zahlreichen Ausstellungen das kulturelle Leben in Köln. Die Veranstaltungen sind kostenfrei und richten sich sowohl an Universitäts-Zugehörige als auch an interessierte Bürger.

Über die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln
Die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln ist die größte Bibliothek in Nordrhein-Westfalen. Sie ist die zentrale Ausleihbibliothek der Universität zu Köln. Als zentrale wissenschaftliche Serviceeinrichtung stellt sie Literatur, Wissen und Information sowohl für Studierende und Mitarbeiter der Universität als auch für Einwohner der Stadt und der Region bereit. Dabei bietet die USB gleichermaßen ein breites Spektrum aktueller Informationsmedien und eine reichhaltige Sammlung historisch wertvoller Bestände.

Inhaltlicher Kontakt:

Juniorprofessorin Dr. Nadine Oberste-Hetbleck
Kunsthistorisches Institut der Universität zu Köln
+49 221 470-4136
noberste@uni-koeln.de

Prof. Dr. Günter Herzog
Wissenschaftlicher Leiter Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels e.V.
+49 221 2019871
info@zadik.info


Presse und Kommunikation:
Melinda Burmeister-Neuls
+49 221 / 470-89955
burmeister@ub.uni-koeln.de


Weitere Informationen:
Veranstaltungen der Universitäts- und Stadtbibliothek:
www.ub.uni-koeln.de/bibliothek/veranstaltung 

Helga Müller – ein Fragment:
http://www.sabine-buerger.de/helga_d.html 


Pressebereich:
www.ub.uni-koeln.de/bibliothek/presse 

www.ub.uni-koeln.de
facebook.com/usbkoeln
twitter.com/unibibkoeln



Verantwortlich: Dr. Patrick Honecker MBA

Deutsch-italienisches Symposium in Rom: Die EU und die europäische Wissenschaftsgemeinschaft


Zweitägige Veranstaltung zu Herausforderungen und Chancen / 60 Jahre Römische Verträge


Welchen Herausforderungen sehen sich Europa und die europäische Integration im 60. Jubiläumsjahr der „Römischen Verträge“ gegenüber? Welche Rolle spielen dabei Wissenschaft und Forschung – und wie können gerade sie zum Motor der europäischen Entwicklung werden? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt eines zweitägigen deutsch-italienischen Symposiums, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gemeinsam mit dem binationalen Wissenschafts- und Kulturzentrum Villa Vigoni sowie anderen Partnern aus beiden Ländern in dieser Woche in Rom veranstaltet.

Das zweitägige Symposium mit dem Titel „Die Europäische Union – Herausforderungen und Chancen für die europäische Wissenschaftsgemeinschaft“ findet aus Anlass der 60. Wiederkehr der Unterzeichnung der Verträge zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomunion in der italienischen Hauptstadt statt. Mit diesen schlossen sich 1957 die Bundesrepublik Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande vertraglich enger zusammen, was als Grundlage für die spätere Europäische Union gilt.

In Vorträgen, Fachgesprächen und Podiumsdiskussionen will die Tagung sowohl wissenschaftliche als auch forschungspolitische Themen adressieren und die Spielräume von Wissenschaft und Forschung für die Gestaltung Europas ausloten. Dabei geht der Blick zunächst zurück: „Athen, Rom, Jerusalem: Europas antike Wurzeln oder antike Wurzeln für Europa?“ lautet der Titel des einleitenden Podiumsgesprächs, zu dem am Donnerstag, dem 13. Juli, die Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland in Italien und San Marino, Dr. Susanne Marianne Wasum-Rainer, und DFG-Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek Gäste aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft begrüßen.

Der zweite Veranstaltungstag am Freitag, dem 14. Juli, ist auch für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich. Er beleuchtet nach der Einführung durch die Präsidenten der DFG und der Villa Vigoni, Prof. Dr. Peter Strohschneider und Botschafter a.D. Michael H. Gerdts, zunächst „Wissenschaft und Forschung als Motoren der europäischen Integration“, die „EU als Rechts- und Wertegemeinschaft“ und Demokratie und Forschung im „Mehrebenensystem der EU“. Das Thema des abschließenden Podiumsgesprächs lautet „Eine vernetzte europäische Wissenschaftsgemeinschaft: Pfeiler einer pluralistischen Europäischen Union“.

Die Vorträge, Fachgespräche und Podiumsdiskussionen werden von prominenten Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft Deutschlands und Italiens, aber auch anderer europäischer Staaten bestritten. Zu ihnen gehören der frühere italienische Ministerpräsident und heutige Richter des Italienischen Verfassungsgerichtshofs, Giuliano Amato, die ehemalige Bundesforschungsministerin und heutige Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland am Heiligen Stuhl, Annette Schavan, sowie die Vizepräsidentin des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und Kölner Rechtswissenschaftlerin Prof. Dr. Angelika Nußberger. Ebenfalls beteiligt sind unter anderem die Geschäftsführende Direktorin der Bibliotheca Hertziana, Prof. Dr. Tanja Michalsky, der Direktor der British School at Rome, Prof. Dr. Christopher Smith, und DFG-Präsident Strohschneider.

Schirmherrin des Symposiums ist die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland Rom.


Medienkontakt:
Marco Finetti, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG, Tel. +49 228 885-2230, marco.finetti@dfg.de

Fachlicher Ansprechpartner in der DFG-Geschäftsstelle:
Dr. Hans-Dieter Bienert, Leiter Geistes- und Kulturwissenschaften, Tel. +49 228 885-2246, hans-dieter.bienert@dfg.de

Das ausführliche Programm findet sich unter:


Freitag, 7. Juli 2017

fragFINN-Kinderreporter starten Videoreihe mit Politiker*innen

 Berlin, 06. Juli 2017. Die Kinderreporter der Kindersuchmaschine fragFINN.de gehen auf politische Entdeckungsreise. In der neuen Videoreihe interviewen sie namhafte Persönlichkeiten aus der Politik, um diese zu ihrem Amt und ihren Aufgaben zu befragen. Den Auftakt der Videoreihe machen die FINNreporter Clara und Laouen mit Frau Staatsministerin Prof. Monika Grütters, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Die fünfminütigen Videos werden in der Videobox auf fragFINN.de veröffentlicht.
Hintergrund dieser geplanten Videoreihe sind die diesjährigen Bundestagswahlen, die von großem öffentlichen Interesse und beliebtes Thema medialer Berichterstattungen sein werden. Artikel und Berichte tagesaktueller Presse werden auch von den Kleinsten unserer Gesellschaft wahrgenommen. Umso wichtiger ist es, Kindern einen Zugang zu politischen Themen zu ermöglichen und ihnen aktuelle politische Ereignisse auf kindgerechte Art und Weise näherzubringen.
Die Kinderreporter, offiziell FINNreporter genannt, berichten bereits seit 2012 im Namen von fragFINN und interviewen bekannte Gesichter aus Politik und Gesellschaft. Sie fungieren als Experten ihrer Altersgruppe und geben der jungen Zielgruppe von fragFINN.de gleichzeitig eine Stimme. Insgesamt gibt es bei fragFINN zehn Kinderreporter im Alter zwischen sieben und 13 Jahren.
 

Über den fragFINN e.V.
fragFINN betreibt die Entwicklung und Pflege einer Whitelist an kindgeeigneten Internetangeboten und bietet mit der Kindersuchmaschine fragFINN.de, die ausschließlich diese geprüften Angebote findet, eine sichere Startrampe ins Internet für Kinder von 6 bis 12 Jahren. Damit engagiert sich der Verein für einen positiven Jugendmedienschutz sowie die Stärkung der Medienkompetenz von Kindern. Zielsetzung ist es, das Vertrauen von Kindern, Eltern und Pädagogen in das Medium Internet zu stärken. Der Verein wird von namhaften Unternehmen und Verbänden der Telekommunikations-, Internet- und Medienbranche finanziert und getragen. fragFINN startete Ende 2007 und ist Teil der Initiative „Ein Netz für Kinder“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.


Pressekontakt
fragFINN e.V., Carolin Maier, Beuthstraße 6, 10117 Berlin; Tel.: 030 24 04 84 - 52, maier@fragfinn.de, Facebook: www.facebook.de/fragFINN, Twitter: @fragFINN_de


Mittwoch, 5. Juli 2017

Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen: Gefragt: Gut ausgebildete Logistiker – jetzt weiterqualifizieren

Info-Abend zum Fernstudium Logistik – Management & Consulting (MBA)



Am Freitag, den 14. Juli 2017 lädt die Hochschule Ludwigshafen am Rhein zu einer Informationsveranstaltung über das berufsbegleitende Fernstudium Logistik – Management & Consulting mit dem Abschluss Master of Business Administration (MBA) ein. Sabine Scheckenbach, Studiengangsleiterin des Fernstudienprogramms und Professorin der Hochschule, stellt das ganzheitliche und anwendungsorientierte Konzept sowie die Inhalte des fünfsemestrigen Studiums vor und beantwortet alle Fragen. Annika Karger, Geschäftsführerin des Studiengangs, wird den Bewerbungsprozess und Ablauf des Studiums erläutern und individuell beraten. Beginn ist um 18:00 Uhr an der Hochschule Ludwigshafen, Ernst-Boehe-Straße 4, Gebäude B, 3. Stock, Raum 321, in 67059 Ludwigshafen. Eine Anmeldung wird erbeten an Annika.Karger@hs-lu.de.

In der Logistik herrscht Hochstimmung – die Branche wächst weiterhin rasant und sucht gute Absolventinnen und Absolventen. Die Karriereaussichten für qualifizierte Fachkräfte sind gut, sodass sich eine Weiterbildung in der Logistik lohnt. Viele Unternehmen zeigen sich zunehmend bereit, berufsbegleitende Weiterbildungen ihrer Mitarbeiter zu unterstützen. Das Fernstudium Logistik – Management & Consulting (MBA) richtet sich sowohl an Beschäftigte, die bereits in der Logistik tätig sind als auch an Quereinsteiger, die in den Logistikbereich wechseln und sich entsprechend qualifizieren möchten. Ein flexibles Fernstudium nach dem Blended Learning Konzept, stellt für Berufstätige eine ideale Weiterbildungsmöglichkeit dar. Die durchschnittlich sechs Präsenztage pro Semester an Samstagen und/oder Freitagen lassen sich gut in die Berufstätigkeit integrieren. Die Studierenden vertiefen während der Präsenzveranstaltungen ihr selbsterworbenes Wissen und wenden es praktisch an.
Das Studium bereitet berufsbegleitend für eine Führungsposition im mittleren oder gehobenen Management vor. „Wir vermitteln unseren Studierenden ein ganzheitliches und praxisorientiertes Logistikverständnis und begleiten sie individuell bis zum Abschluss“, so Scheckenbach. Über die klassischen Bereiche – BWL, Technik und IT – hinaus, liegen die Schwerpunkte des Masterstudiums auf Management und Consulting. Die Fernstudierenden erwerben Wissen in Unternehmensführung, Controlling, Marketing und Personalmanagement ebenso wie soziale Kompetenzen, beispielsweise Verhandlungstechniken. Auch Managementmethoden wie Lean Management, Knowledge oder Supply Chain Management sind Teil des Curriculums.

Die Hochschule Ludwigshafen hat den Fernstudiengang konzipiert und führt ihn seit vielen Jahren erfolgreich in Kooperation mit der Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen (ZFH) durch. Für das akkreditierte Fernstudium können sich Absolventen eines Erststudiums nach mindestens einjähriger Berufserfahrung bewerben. Bewerber ohne ersten Hochschulabschluss, können nach mindestens dreijähriger Berufspraxis zum Studium zugelassen werden.

Fernstudieninteressierte können sich für dieses Studium noch bis zum 31. August online bei der ZFH bewerben: www.zfh.de/anmeldung/

Weitere Informationen unter www.mba-lmc.de und www.zfh.de/mba/logistik


Über die ZFH
Die ZFH - Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen ist eine zentrale wissenschaftliche Einrichtung des Landes Rheinland-Pfalz mit Sitz in Koblenz. Auf der Grundlage eines Staatsvertrages der Bundesländer Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland kooperiert sie seit 1998 mit den 13 Fach-/Hochschulen der drei Länder und bildet mit ihnen gemeinsam den ZFH-Fernstudienverbund. Darüber hinaus kooperiert die ZFH mit weiteren Fach-/Hochschulen aus Bayern, Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Das erfahrene Team der ZFH fördert und unterstützt die Hochschulen bei der Entwicklung und Durchführung ihrer Fernstudienangebote. Mit einem Repertoire von über 70 berufsbegleitenden Fernstudienangeboten in betriebswirtschaftlichen, technischen und sozialwissenschaftlichen Fachrichtungen ist der ZFH-Fernstudienverbund bundesweit größter Anbieter von Fernstudiengängen an Fach-/Hochschulen mit akkreditiertem Abschluss. Alle ZFH-Fernstudiengänge mit dem akademischen Ziel des Bachelor- oder Masterabschlusses sind von den Akkreditierungsagenturen AQAS, ZEvA, ACQUIN, AHPGS bzw. FIBAA zertifiziert und somit international anerkannt. Neben den Bachelor- und Masterstudiengängen besteht auch ein umfangreiches Angebot an Weiterbildungsmodulen mit Hochschulzertifikat. Derzeit sind über 6000 Fernstudierende an den Fach-/Hochschulen des ZFH-Verbunds eingeschrieben.


Redaktionskontakt:

Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen
Ulrike Cron
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Konrad-Zuse-Straße 1
56075 Koblenz
Tel. : 0261/91538-24, Fax: 0261/91538-724
E-Mail: u.cron@zfh.de
Internet: www.zfh.de

Was die anderen Hochbegabten anders machen – ein Beispiel aus der Wirtschaft für die Politik


Foto: Ralf Voigt


Man erkennt sie.

Es sind die kleinen Einsteins, die Picassos und die Mozarts. Sie lesen schon mit sechs Jahren „The New York Times“, korrespondieren mit fünf Jahren in Mandarin und spielen mit vier Jahren die Spatzenmesse in C-Dur. Später studieren sie dann bereits mit 14 an einer Uni und werden jüngster Professor oder jüngste Professorin.

Man kennt sie.

Dann gibt es noch die anderen.

Ihre Begabung ist nicht so offensichtlich. Oder: offensichtlich nur für Eingeweihte. Für Kennerinnen und Kenner. Wahrscheinlich stehen sie nicht in einem Labor. Ob sie mit dem Pinsel umgehen können? Seien Sie tapfer: Wohl eher nicht so. Ob sie eine Stradivari zu schätzen wissen? Hm.

Und doch haben sie ihre Begabung. Erkennbar wie gesagt fast nur für Eingeweihte.

Ein Beispiel: Ich war Mitglied in einem Verband, der das Wort „Wirtschaft“ in seinem Namen trägt. Es ging um ein Thema, das alle Menschen bewegt. Wirklich alle. Wirklich jeden. Es ging um Politik. Und um den Anlauf zu einem neuen Gesetz. Man diskutierte. Und fragte sich, wie man denn überzeugend argumentieren könnte.

Ich erwähnte den Gedanken einer Befragung. Sie kennen das: In jeder grösseren Stadt stehen diese Interviewer auf der grossen Einkaufsstrasse und wollen wissen, welche Zahnpasta, welches Waschmittel, welche Automarke Sie bevorzugen. Strasseninterviews nennen wir das. Wir, das sind meine Kolleg*innen aus der Marktforschung und ich. Ich hatte damals ein Institut für Markt- und Kommunikationsforschung. Unsere Klienten aus der Politik und Wirtschaft waren bekannt und angesehen und wir waren stolz darauf, für sie forschen zu dürfen.

In meinem Verband war das bekannt.

Ja. Sagte man: Eine Befragung auf der Strasse ist ein überzeugendes Argument. Wir – wer auch immer „wir“ sein sollte – wir stellen uns auf die Strasse und befragen die Menschen. Und dann geben wir – und das war der Sinn der Sache – das Ergebnis an den OB der Stadt. Einer von meinen Kollegen im Verband meinte dann: Ob wir wohl 50 Menschen dazu bewegen können, mit uns zu reden?

Wie, sagte ich: 50 Menschen?

Ja. Sagten die anderen. 50 Menschen wäre eine tolle Sache.

Klar sind 50 Menschen eine tolle Sache. Aber: Wie wollen wir einen OB mit den Stimmen von 50 Menschen motivieren, ein neues Gesetz in Gang zu bringen? Nach einer halben Stunde hatte man sich auf 100 Menschen geeinigt. Mit dem Zusatz: Ob wir das wohl schaffen werden?

Warum so zaghaft?

Die Jungs und Mädels, die hier zusammen sassen, waren die Menschen, die täglich über Millionen entschieden. Ihre Denkweisen waren nicht 100 oder 1.000. Es waren 1.000.000 und mehr!

Mir war klar, dass ich meine lieben Kolleginnen und Kollegen jetzt schockieren musste. Nicht weil ich Schocks mag – aber ich musste ihnen schon sagen, wie so etwas in der Realität funktioniert. Dass man an den verantwortlichen Stellen – sorry – 100 Menschen als Beweis nicht gelten lassen wird. Man wird schmunzeln und zur Tagesordnung übergehen.

Noch bevor ich den Gedanken: „Wie sag‘ ich es das denn jetzt?“ zu einem Satz modellieren konnte, war es raus:

1.000 INTERVIEWS!
1.000 Interviews?

Das Entsetzen war gross. Nur unser Präsident war begeistert. Und dann ging das los, was zumeist los geht, wenn ein Hochbegabter – eine Hochbegabte – eine Idee und einen Weg vor Augen hat: GEHT NICHT! FUNKTIONIERT NICHT! SCHAFFEN WIR NICHT! WIR SIND DOCH NICHT VERRÜCKT! WER SOLL DAS DENN ALLES ZAHLEN?

Ich hörte mir das eine Stunde an, während ich das Konzept schrieb, die Umsetzung des Konzepts plante und einen Entwurf für den Fragebogen entwarf. Unser Präsident hatte mich aus den Augenwinkeln beobachtet und rief mich auf – nach vorne zu kommen und die Einzelheiten zu präsentieren. Gesagt. Getan.
Wir fanden über 50 Mitglieder aus dem Wirtschafts-Verband, die mitmachten. Manager*innen, die ich mit meinem Team für diesen Einsatz schulte. Es waren wohl die Interviewer*innen mit den höchsten Stundenlöhnen, die hier und heute ehrenamtlich auf die Strasse gingen und sehr mutig die Menschen nach ihrer Meinung befragten.

Um Mitternacht hatten wir 1.037 Interviews geschafft. Alle von meinen Forscherkollegen und mir kontrolliert. Alle perfekt. Es war ein harter Job – aber selten habe ich ein Team von fast 100 „Mitarbeiter*innen“ so begeistert arbeiten gesehen.

Am nächsten Morgen wurde noch einmal kontrolliert. Und dann gingen die Fragebögen ins Rechenzentrum zur Uni. Ich schrieb dazu einen Bericht für die Präsentation. Mein Team zeigte einen bewundernswerten Einsatz. Und so konnte ich meiner Assistentin auch nicht die Bitte abschlagen, die Ergebnisse beim OB präsentieren zu dürfen.

Der OB schien sehr zufrieden. Und so wanderten unsere Ergebnisse weiter „nach oben“. Und so wurde aus unserer Idee der Beweis, dass die Menschen diese Verbesserung ihres Alltags wirklich wollten.

Schliesslich wurde aus dem Beweis ein Gesetz in Deutschland, das jedem Menschen den Alltag etwas besser macht. Zur Freude der Menschen.
Nein, so faszinierend wie ein Picasso ist dieses Gesetz nicht.

Aber es erleichtert seitdem allen Menschen ihr Leben. Und das Tag für Tag in Deutschland.

Wenn Sie Unternehmer*in sind: Gründen Sie einen Think Tank mit Ihren Hochbegabten und allen, die mutig sind und gross denken und handeln können. Dann sind Sie nicht nur Ihre Probleme los. Sie haben auch die Chance, die Welt ein bisschen besser machen zu können.

Was sagte John F. Kennedy in seiner Antrittsrede am 20. Januar 1961 in Washington, D.C.:

„Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann - fragt, was ihr für euer Land tun könnt (…) fragt, was wir gemeinsam tun können für die Freiheit des Menschen.“[1]

Lilli Cremer-Altgeld
Mobil 0049 1575 5167 001